08. März 2026

Internationaler Frauentag

Für eine gerechte Gemeinschaft

Adobe Stock

Der Internationale Frauentag ist nicht nur ein gesellschaftspolitischer Gedenk- und Aktionstag. Er ruft in Erinnerung, dass Gottes Geschichte mit der Menschheit nie nur eine Geschichte von Männern war – auch wenn kirchliche Traditionen, Auslegungen und Machtstrukturen dies oft nahegelegt haben. Feministische Theologie setzt genau hier an: Sie legt verschüttete Stimmen frei, widerspricht einseitigen Gottesbildern und fragt neu nach Gerechtigkeit im Angesicht Gottes.

Seit der Internationaler Frauentag erstmals 1911 begangen wurde, steht er für den Kampf um politische Teilhabe, ökonomische Gerechtigkeit und körperliche Selbstbestimmung. Feministische Theologie verbindet diese Anliegen mit einem Raum, in dem Hierarchien überwunden und Menschen in ihrer Würde anerkannt werden. Sie erinnert daran, dass Gottes Gerechtigkeit niemals abstrakt ist, sondern konkret in sozialen Verhältnissen Gestalt annimmt.

Die biblische Tradition selbst kennt starke, widerständige Frauen und die feministische Exegese fragt: Warum wurden diese Geschichten kleingeredet? Welche Machtinteressen spiegeln sich in ihrer Auslegung?

Uns geht es nicht um eine Umkehrung der Hierarchie, sondern um ihre Überwindung. Unsere Vision ist keine weibliche Dominanz, sondern eine gerechte Gemeinschaft.

Der Internationale Frauentag fordert daher auch die Kirchen heraus. Noch immer sind viele Leitungsämter Männern vorbehalten, noch immer werden Care-Arbeit und spirituelle Arbeit von Frauen selbstverständlich erwartet, aber strukturell weniger anerkannt. Feministische Theologie bleibt hier unbequem – prophetisch im besten Sinne. Sie erinnert an das Magnificat (Lk 1,46–55), in dem die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Niedrigen erhöht werden.

Am 8. März geht es deshalb nicht nur um Gleichberechtigung im säkularen Sinne, sondern um eine geistliche Umkehr: um die Einsicht, dass Gottes Ebenbildlichkeit kein Geschlecht kennt. Wo Frauen zum Schweigen gebracht werden, wird auch Gottes Stimme leiser gehört. Wo sie jedoch sprechen, predigen, leiten und deuten, gewinnt die Kirche an Wahrheit.

Feministische Theologie ist keine Randdisziplin. Sie ist eine Erinnerung daran, dass Gottes Gerechtigkeit umfassend ist – und dass Befreiung immer auch geschlechtlich konkret wird. Der Internationale Frauentag ruft uns dazu auf, diese Befreiung nicht nur zu feiern, sondern sie theologisch zu denken, kirchlich zu leben und gesellschaftlich zu verwirklichen.

Gleichstellung, faire Bezahlung und Rechte von Frauen
Rund um den 8. und 9. März, dem Internationalen Frauentag, finden bundesweit viele Aktionen für Gleichstellung, faire Bezahlung und die Rechte von Frauen statt. Viele von euch sind bereits mit Veranstaltungen dabei. Auch das Frauenwerk der Nordkirche ist an lokalen Aktionen in Kiel und Rostock beteiligt. 

Ihr sucht niedrigschwellige Aktionen mit Wirkung?

  • Plakat oder Infomaterial an Büro oder Haustür aufhängen

  • Mit Kolleginnen verabreden und am 8. oder 09. März pinke, lilafarbene oder orange Kleidung tragen

  • In der Mittagspause einen kurzen Austausch, Infotisch oder ein gemeinsames Foto organisieren

  • Spendenaufruf an Männer und männliche Verbündete verschicken:

„Gleichstellung geht alle an. Setzt ein Zeichen gegen den Gender Pay Gap. Spendet am 8. März 16 Prozent eures Lohns, also den Anteil der geschlechtsbedingten Lohnlücke, an eine frauenpolitische Organisation, eine Beratungsstelle, Frauenhaus oder ein Gleichstellungsprojekt eurer Wahl.“

Lasst uns gemeinsam zeigen, wie vielfältig und engagiert wir sind!