03. Februar 2022

6. Februar: Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

Frauenwerk startet Kunst- und Bildungsprojekt zu FGM/C

Lavanya Honeyseeda
© Ben Beyer

Mehr als 200 Millionen Frauen sind weltweit von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen, rund vier Millionen Mädchen droht laut UNICEF die Entfernung der weiblichen äußeren Genitalien. In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, also dem Bereich der Nordkirche, sind ungefähr 1300 Mädchen gefährdet, so eine Statistik von Terre des Femmes.

Zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar macht das Frauen-werk der Nordkirche darauf aufmerksam, dass Genitalbeschneidung/Verstümmelung (Female Genital Mutilation/ Cutting) nicht nur weit entfernt vorkommt. FGM/C ist eine Menschenrechtsverletzung und gilt in Deutschland als Straftat.

Die Praktik verursacht schwere Schäden, z.B. Schmerzen, Proble-me beim Geschlechtsverkehr, bei Schwangerschaft und Geburt oder Angst- und Depressionsgefühle. Auch sterben Frauen oder Mädchen an den Folgen.

Das Frauenwerk der Nordkirche hat ein Projekt ins Leben gerufen, das betroffene Frauen unterstüt-zen soll. Es umfasst Workshops in Kiel und Hamburg, die die Teilnehmerinnen gemeinsam mit den Künstlerinnen und Therapeutinnen Lavanya Honeyseeda und Sista Oloruntoyin entwickeln. „Uns ist wichtig, die betroffenen Frauen früh einzubeziehen. FGM/C ist häufig nicht ihr einziges Problem. Sie sind Heldinnen und keine Opfer, weil sie FGM/C überlebt haben und ihre Erfahrungen mit uns teilen können. Es geht darum, gleiche Chancen für die Teilhabe zu schaffen“, sagt Delphine Takwi von contra, der Fachstelle gegen Frauenhandel in Schleswig-Holstein, die am Projekt beteiligt ist.

Die Frauen werden in Performances als Botschafterinnen für Selbstbestimmung auftreten. „Mit Aus-drucksformen der Kunst kann ein brisantes Thema wie FGM/C anders als in Diskussionen öffentlich gemacht werden. Menschen werden unmittelbar auf sinnlicher Ebene angesprochen. Kunst ermöglicht es, auf Unrecht aufmerksam zu machen und zugleich die Würde des Menschen zu schützen“, so die Künstlerin Lavanya Honeyseeda. „Maßnahmen im Kampf gegen die gewaltsame Genitalbeschneidung werden nur Erfolg haben, wenn die sozialen Zusammenhänge in Bezug auf Spiritualität, Kultur, Tradition und soziales Unterstützungssystem in der betroffenen Gesellschaft verstanden und berücksichtigt werden“, so Sista Oloruntoyin, die langjährige Erfahrung in der psychologischen Beratung von Frauen afrikanischer Diaspora-Gemeinden hat.

Mit den Kunstperformances und weiteren Fachveranstaltungen soll ein Dialograum entstehen. „Das Projekt soll im größeren Kontext von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung den Blick auf bestehende Missstände richten und an unsere Verantwortung für eine bessere Zukunft appellieren“, so Pastorin Susanne Sengstock, Leiterin des Frauenwerks. Die erste Performance findet am Internationalen Frauentag am 8. März in Hamburg statt, weitere folgen dort und in Schwerin. Die Workshops starten Ende März. Mehr Infos: https://www.frauenwerk-nordkirche.de/projekt-fgm/c