20. April 2022

Nachruf

Trauer um Regina Ohlsen

Fürchte dich nicht! Rede nur! Du darfst nicht schweigen. Bin ich doch mit dir. Apg 18, 9b-10a

Mit Regina Ohlsen verliert das Frauenwerk der Nordkirche und die gesamte evangelische Frauenarbeit in der Nordkirche eine gewichtige Stimme. Regina Ohlsen hat sich nie gefürchtet, ihre Stimme zu erheben, und so Frauen zu ihrem Recht verholfen. Als Beraterin begleitete sie in der evangelischen Müttergenesungsarbeit vor allem Frauen, die eine Kur machen wollten, dazu auch einzene Väter. Als zwischen 2008 und 2012 die Ablehnungsquoten in Hamburg bei bis zu 42% lagen, hat sie immer wieder Frauen beim Widerspruch gegen die Bescheide der Krankenkassen geholfen - oft erfolgreich. Sie hat sich eingesetzt, hat für Frauen gekämpft – mit Herzblut, aus Überzeugung und mit der Kraft ihres Glaubens. „Fürchte dich nicht! Rede nur! Du darfst nicht schweigen. Bin ich doch mit dir.“

Regina Ohlsen hat sich viele Jahre auch ehrenamtlich für die Belange von Frauen in der Kirche engagiert. Mehrere Legislaturperioden war sie Mitglied im Beirat des Frauenwerks und der Frauendelegiertenkonferenz der Nordkirche. Sie hat maßgeblich dabei mitgewirkt, dass sich die Frauenarbeit mit dem Thema Care auseinandersetzt. Als Teil einer Arbeitsgruppe formulierte sie 2007 an einer Resolution für ein Care-Geld mit. Die Forderung, dass die im Privaten geleistete unsichtbare Arbeit in Pflege und Versorgung von Kindern und alten Menschen durch Bezahlung und Einbindung in die Kranken- und Rentenversicherung aufgewertet gehören, belegte sie mit ihren Erfahrungen mit den Müttern, die ihr in der Beratungsarbeit begegneten und die ihr erzählten, wie hart der Alltag ist. Sie war für die evangelische Frauenarbeit die „Kamera“, die an die Basis schaute. Mit scharfem Blick hat sie auch die gesellschaftlichen Strukturen benannt, die zur Ungleichheit der Geschlechter führen.

Vor allem auf Grund ihrer Kompetenz in sozialdiakonischen Themen wurde sie 2020 von der Kirchenleitung in das Kuratorium des Hauptbereichs Generationen und Geschlechter berufen und hatte dort insbesondere die Belange des Evangelischen Kurzentrum Gode Tied im Blick.

In ihrem Engagement ging es stets um Gerechtigkeit. Für Gerechtigkeit erhob sie ihre Stimme. Nach kurzer schwerer Krankheit ist sie am 16. April 2022 verstorben. Sie, ihr Engagement und ihre Stimme werden fehlen.