Weltgebetstag der Frauen 2024 zu Palästina - aktuell

Der Weltgebetstag - mehr als ein Gottesdienst

Ein Gebet wandert über 24 Stunden lang um den Erdball und verbindet Frauen in mehr als 150 Ländern der Welt miteinander.

Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich christliche Frauen in der Bewegung des Weltgebetstags. Gemeinsam beten und handeln sie dafür, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. So wurde der Weltgebetstag in den letzten 130 Jahren zur größten Basisbewegung christlicher Frauen.

Der Weltgebetstag ist viel mehr als ein Gottesdienst im Jahr. Der Weltgebetstag weitet den Blick für die Welt. Frei nach seinem internationalen Motto „informiert beten, betend handeln“ macht er neugierig auf Leben und Glauben in anderen Ländern und Kulturen.

Durch das gemeinsame Engagement beim Weltgebetstag lernen sich Frauen unterschiedlicher christlicher Konfessionen kennen und schätzen. In vielen Städten und Dörfern gibt es dank des Weltgebetstags seit vielen Jahrzehnten enge Kontakte zwischen den Kirchengemeinden. Beim Weltgebetstag engagierte Frauen reden nicht nur über Ökumene und Solidarität – sondern sie leben sie!

Die Verfasserinnen der jährlichen Gottesdienstordnung greifen in ihrer Liturgie meist gesellschaftliche Fragen auf, die den Menschen in ihrem Heimatland „unter den Nägeln brennen“.

Im Sinne des internationalen Mottos „informiert beten – betend handeln“ geht die Projektarbeit des Weltgebetstags auf das große Interesse für das jeweilige Schwerpunktland ein. Sie setzt sich mit der Situation der dortigen Frauen und Mädchen auseinander und unterstützt - neben vielen weiteren Projekten weltweit - auch das Engagement lokaler Frauengruppen und -organisationen im jeweiligen Weltgebetstagsland.

Aktuelle Informationen, Fragen und Antworten zum Weltgebetstag 2024 in der Nordkirche

1. Was ist der Weltgebetstag? Von wem und wann wird er gefeiert?

Am ersten Freitag im März jeden Jahres werden in vielen Ländern der Welt Gottesdienste gefeiert, deren Liturgie und Inhalt jeweils von Christinnen aus einem bestimmten Land vorbreitet wird. So verbinden sich Menschen aus aller Welt in einer einzigen Feier, die als gemeinsames Gebet um den Erdball wandert.

2. Wer ist verantwortlich für den Weltgebetstag? Ist der Weltgebetstag ökumenisch?

Der Weltgebetstag ist eine konfessionsübergreifende Bewegung, die von einem internationalen Komitee gestaltet und zusammengehalten wird. In jedem Land gibt es ein eigenes nationales Weltgebetstagskomitee, das für die Verbreitung der Liturgie und die Vorbereitung in den Kirchen des eigenen Landes sorgt.

3. Was für eine Liturgie wird am Weltgebetstag gefeiert? Was bedeutet „informiert beten, betend handeln“?

Die Kirchen und Gemeinden folgen weltweit einer Liturgie, die sich an dem Motto ausrichtet „informiert beten, betend handeln“. In Gruppen bereiten Frauen und auch Männer sich gemeinsam auf die Feier des Weltgebetstags im März vor. Sie informieren sich über das Land und die Situation der Frauen in dem Land, aus dem die Liturgie kommt. Und sie fragen, wie man die Solidarität mit den Frauen dieses Landes gestalten und wirksam werden lassen kann.

4. Wie kam es dazu, dass der Weltgebetstag 2024 von palästinensischen Frauen vorbereitet wurde?

Die Planungen der Weltgebetstage haben einen sehr langen Vorlauf. Dass 2024 Palästina im Mittelpunkt stehen würde, wurde 2017 bei der internationalen Weltgebetstagskonferenz in Brasilien beschlossen. Die konkrete Ausarbeitung der Liturgie für 2024 aus Palästina fand dort von 2020 bis 2022 statt.

5. Kann man die Liturgie verwenden, die die palästinensischen Frauen vorbereitet haben?

Das deutsche Weltgebetstagskomitee legt Anfang Januar 2024 eine überarbeitete Fassung der Liturgie und der Texte vor. Einseitige Perspektiven werden darin überarbeitet sein. Ergänzende Texte zur Kontextualisierung werden darin zur Verfügung gestellt und sollen Teil der Gottesdienste sein. Auf dieser neuen Grundlage können die Gemeinden der Nordkirche am 1. März die Liturgie zugrunde legen. Es wird empfohlen nicht – wie in anderen Jahren – das „Feiern“ des Weltgebetstags in den Vordergrund zu stellen, sondern die Klage und ein Gebet der Trauer angesichts von Krieg und Leid in Israel und Palästina.

6. Mit welcher politischen Grundhaltung kann eine Gemeinde den Weltgebetstag 2024 begehen?

Eine klare Benennung der Ereignisse vom 7. Oktober als brutaler Terrorangriff gegen Israel ist Voraussetzung für eine angemessene öffentliche Haltung zu dem Konflikt. Die klare Verurteilung jeglicher antisemitischer Haltungen, Äußerungen und Handlungen und eine besondere Betonung, dass dies nirgendwo und besonders nicht in Deutschland toleriert werden kann, ist wichtig. Unser Bekenntnis gilt dem Existenzrecht Israels und der Verbundenheit mit dem jüdischen Volk. Eine doppelte Solidarität in dem gegenwärtigen Konflikt steht unter dieser Voraussetzung.

7. Wie wird zum Ausdruck gebracht, dass unsere Verbundenheit mit Israel durch ein Gebet mit den Frauen aus Palästina nicht in Frage steht?

Die Kollekten, die am 1. März im Rahmen der Weltgebetstagsgottesdienste gesammelt werden, stehen alle im Dienst der Versöhnung in Israel und Palästina und werden von Akteur*innen beider Seiten getragen. Interpretationen, die das Leid der Palästinenserinnen und Palästinenser monokausal auf die Existenz Israels zurückführen, werden abgelehnt und sind nicht Teil der Liturgie.

8. Was ist mit der Option, statt eines Weltgebetstagsgottesdienstes ein Friedensgebet zu veranstalten und sich ganz von der Liturgie der Weltgebetstags zu lösen?

Der Weltgebetstag ist eine einzigartige christlich-ökumenische Bewegung, die sich vor allem auch darin bewähren wird, dass sie auch angesichts von unlösbaren Konflikten und angesichts von Leid und Ungerechtigkeit nicht aufhört, Menschen und besonders Frauen in aller Welt über alle Grenzen hinweg im Gebet zu vereinen. Der Weltgebetstag ist ein Symbol für diese Verständigung und für die Sehnsucht nach Versöhnung und sollte nicht leichtfertig ersetzt werden. Wer sich entscheidet, ein alternatives Friedensgebet anzubieten, muss sich der besonderen Herausforderung bewusst sein, in der gegenwärtigen politischen Lage das rechte Wort für solch ein Gebet zu finden.

9. Tut man den palästinensischen Frauen nicht Unrecht, wenn man ihre Liturgie im deutschen Kontext verändert?

Die Überarbeitung der Liturgie (vor allem im Sinne einer Ergänzung) durch das deutsche Weltgebetstagskomitee ist mit den palästinensischen Frauen besprochen worden. Sie sind inhaltlich nicht mit allem und methodisch nicht alle mit dem Vorgehen einverstanden. Aber das deutsche Weltgebetstagskomitee hat versucht, diesen Schritt gegenüber den palästinensischen Frauen zu erklären, und hat für Verständnis geworben. Es wird eine wichtige Aufgabe sein, auch noch nach dem Weltgebetstag 2024 mit unseren Partnerinnen und Schwestern in Palästina den Austausch darüber fortzusetzen und Missverständnisse und Verletzungen aufzuarbeiten.

10. Wie geht die Vorbereitung weiter?

Die Gruppen in den Gemeinden, die gemeinsam auf den Weltgebetstag zugehen, werden Anfang Januar die überarbeitete Liturgie erhalten. Es wird darauf ankommen, dass sich alle an den Vorbereitungen Beteiligten mit den Hintergründen der Neufassung und mit den Herausforderungen einer doppelten Solidarität der Nordkirche mit Israel und Palästina befassen. Das Frauenwerk der Nordkirche steht für Rückfragen und Beratungen jederzeit zur Verfügung.

Mehr erfahren

Die Ordnung zum Gottesdienst wurde überarbeitet. Weitere Informationen gibt es hier.

Außerdem hat die Nordkirche am 4. Januar dieses Informationsschreiben an die Engagierten und Verantwortlichen in Gemeinden und Kirchenkreisen verschickt.

Die häufigsten Fragen zum Weltgebetstag zu Palästina beantworten wir hier auf dieser Seite.