29. Juli 2021

Berührende Quelle und Mahnmal zugleich

Aufstandsgebete und Gottespoesie von Carola Moosbach

Carola Moosbach (geb. 1957) ist Juristin, Autorin und Dichterin und lebt in Köln. Sie veröffentlichte mehrere Bücher mit religiöser Lyrik, die aber zum großen Teil vergriffen sind. Umso schöner und notwendiger, dass in diesem neuen Buch „Ins leuchtende Du“ viele ihrer Texte und Gedichte versammelt sind – neu zusammengestellt und herausgegeben von Bärbel Fünfsinn und Aurica Jax. Der Untertitel des Buches „Aufstandsgebete und Gottespoesie“ deutet schon an, welche Fülle von Gedanken, Worten und Gefühlen der Leserin hier begegnet.

Carola Moosbach schreibt sehr berührend und persönlich. Ihre Texte sind dabei oft aufwühlend und verstörend, dann auch wieder warm und tröstlich. Sie sind das lyrische Abbild eines Lebens voller Gottesbegegnung und Gottesferne – der beständigen Bewegung vom Suchen zum Sich-finden-lassen. „Ins leuchtende Du“ ist gleichzeitig Quelle und Nahrung für die Seele und Mahnmal gegen das Schweigen und Vergessen von Unrecht und Schuld, gegen Kaltherzigkeit und Lieblosigkeit:

Abendgebet für gute Tage                                                      Nachtgedanken

Ja gesagt                                                                                     Lieber nicht

und auch Nein                                                                            daran denken

zur richtigen Zeit                                                                       aber es kreist mich ein lieber nicht

                                                                                                       darüber sprechen

Mensch getroffen                                                                     aber ich ersticke daran lieber nicht

und Heimat gefunden                                                             so viel fühlen

am richtigen Ort                                                                        aber es tut so weh lieber doch

                                                                                                       alles sagen

Arbeit getan                                                                               können

und den Sinn gewusst                                                              wenigstens Dir Gott

Leben geschmeckt

und verstanden

worden

bis in die Tiefe

 

Den müden Kopf

in Dein Dunkel gelegt

und die offenen Fragen

an Dein faltiges Herz

ruhewärts

 

(C. Moosbach, Ins leuchtenden Du, S. 114)                           (C. Moosbach, Ins leuchtende Du, S. 33)

 


Im Jahr 2000 erhielt Carola Moosbach den Gottespoetinnenpreis des FrauenKirchenKalenders. Die Laudatio zur Verleihung in Hamburg hielt Dorothee Sölle: „Wie kann ich Gott loben, ohne zu lügen? Wie kann ich auf eine Weise zu, von und über Gott sprechen, die wahrhaftig ist? […], das können wir von Carola Moosbach lernen.“ Dorothee Sölle[PF1]  hebt die Geradlinigkeit ihrer Sprache hervor, die nichts erklären und vereinfachen will, sondern einen Raum schafft, in dem vieles zum Klingen kommen kann– auch das Unaussprechliche: „Diese Nüchternheit tut wohl! Vielen ihrer Texte gelingt es, ein ganz besonderes, mystisches Schweigen herzustellen!“[1]

Poesie und Gebet, Schweigen, Raum und Klang und darin Begegnung und Beziehung – zwischen Gott und der Betenden, Bittenden; zwischen Gott und der Schreienden, Anklagenden; zwischen Gott und der Dankenden, Lobenden. Carola Moosbachs Gedichte und Gebete sind in ihrer tiefempfundenen Absolutheit wunderbare Zeugnisse davon und wie ein Stückchen Ewigkeit im Hier und Jetzt.
Franziska Pätzold
 

Ins leuchtende Du von Carola Moosbach, Aufstandsgebete und Gottespoesie. Neu herausgegeben von Bärbel Fünfsinn und Aurica Jax, EB_Verlag ISBN 978-3-86893361-1, € 15,00

 


 http://www.carola-moosbach.de/buecher/laudatio.htm