09. Mai 2026

Demokratieprojekt in MV: Strukturen schaffen, Gemeinschaft bilden

Zwei Frauen mit gemalten Pappschildern zu Demokratie

Demokratiebildung geht überall: Gisela Best, Frauenwerk der Nordkirche (r.) und Jana Preuss (Junge Nordkirche) in Rostock. Foto: Frauenwerk     

Ein Gegenüber nervt mit rechtspopulistischen Äußerungen. Dieses Gegenüber könnte eine Nachbarin sein, eine Freundin, ein Familienangehöriger. Also eine Person, die einem wichtig ist. Oder doch nur ein unbekannter Mensch, der zufällig mit im Bus sitzt und sich lauthals rassistisch äußert. Wie lässt sich dem begegnen? Der Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt sich in der ersten Veranstaltung der Reihe „Demokratisch vor Ort“ unter anderem damit:  Wie ist es möglich, zu reagieren, wenn solche Situationen sich häufen? Wenn die Sorge entsteht, dass unsere Demokratie gefährdet ist? 

Dazu hat der LFR MV die Initiative „Kleiner Fünf“ aus Berlin eingeladen. Einen Tag lang, am 10. Mai, trainieren die Teilnehmerinnen in Ludwigslust, wie sie mit „Radikaler Höflichkeit“ demokratiefeindlichen Aussagen begegnen - in Gesprächen und mit ihrem Verhalten. 
Mit der Veranstaltung startet das Projekt des Landesfrauenrats Mecklenburg-Vorpommern. Besonders im Blick sind dabei unter anderem Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren – auch und gerade in der Nordkirche. „Wir, also das Frauenwerk der Nordkirche, sind zusammen mit dem Land-Frauenverband die aktive Zielgruppe und Mitgliedsorganisation des Landesfrauenrates MV in diesem Projekt“, erklärt Referentin Gisela Best. „Gleichzeitig bringen wir unsere Erfahrungen im Bereich Kirche und Demokratiebildung, Kirche und Ehrenamt mit ein.“  
Alle Veranstaltungen - bereits geplante und künftige des Projektes - richten sich dabei nach den Interessen und den konkreten Wünschen ehrenamtlich engagierter Frauen. Alle Veranstaltungen sind für Teilnehmerinnen kostenlos und finden an unterschiedlichen Orten statt, so dass möglichst viele Frauen profitieren, ohne lange Fahrten in Kauf nehmen zu müssen. Dazu hat das Projektteam das Bundesland in Fokusregionen aufgeteilt. „Ein großes Ziel ist es, die Frauen und Initiativen untereinander zu vernetzen“, erklärt Maren Hartmann vom Leitungsteam. „Es gibt schon viele aktive Frauen, die so viel Großartiges machen. Unser Ansatz ist, sie zu unterstützen, damit sie sich noch besser organisieren können, anstatt ihnen noch etwas aufzuladen.“ Dazu gehört auch, dass weiterhin Initiativen oder einzelne Frauen mit Ideen und Anliegen auf sie zukommen können. „Wir würden dann zum Beispiel einen Workshop organisieren oder einen Raum für Debatten zur Verfügung stellen“, sagt Maren Hartmann. 
Für Gisela Best vom Frauenwerk ist das Projekt ein wichtiges Instrument für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern im September besonders in den Fokus rückt. „Meistens sind es doch die gemeinnützigen Organisationen, Vereine, Kirchengemeinden und NGOs oder engagierte Einzelpersonen, die vor Ort Hilfe und ein offenes Ohr anbieten oder sich gegen Diskriminierung stark machen. Sie sind es oft, die in ihrer Freizeit Strukturen am Leben erhalten und Begegnungen vor Ort organisieren“, sagt sie. Jedoch: Immer weniger Menschen können ihre Zeit und Kraft dafür zur Verfügung stellen. Laut Statistik des Landeskirchenamts verzeichnen alle Kirchenkreise im Bereich der Nordkirche Rückgänge bei ehrenamtlich Engagierten. In Mecklenburg-Vorpommern sind es in zehn Jahren  2.888 Personen weniger. 
Auch in Vereinen oder Bündnissen wird es immer schwerer, ehrenamtlich Engagierte bei der Stange zu halten. Die nächsten Veranstaltungen im Projekt sollen dem Rückgang entgegenwirken: In einem zweitägigen Workshop Ende Mai beschäftigen sich die Teilnehmerinnen mit „Community Organizing“, also mit Fähigkeiten für den Aufbau starker Gemeinschaften, wie sich Beziehungen gestalten lassen, aus denen Handeln wächst. „Gerade im ländlichen Raum, wo Wege länger sind, Strukturen oft fehlen und Engagement auf wenigen Schultern lastet, kann es einen entscheidenden Unterschied machen, Menschen gezielt zusammenzubringen und nachhaltig zu vernetzen“, erklärt Maren Hartmann. 

Beim Angebot „Resilienz im Ehrenamt“ am 14. Juni, wieder in Ludwigslust, geht es um typische Herausforderungen, die Frauen im freiwilligen Engagement begegnen können. Sie lernen, kraftvoll und handlungsfähig zu bleiben – auch in herausfordernden Situationen.  „Sich zu engagieren gibt vielen das gute Gefühl, einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten“, sagt Gisela Best. „Auch das ist Demokratie.“ 
 
Für alle Veranstaltungen sind Anmeldungen noch möglich. Infos: www.landesfrauenrat-mv.de/veranstaltungen/